
Kronen Zeitung
CAMPS, TESTS, QUARTIER
100 Tage! Rangnicks WM-Fahrplan so gut wie fix
100 Tage vor dem ersten Fußball-WM-Spiel des österreichischen Nationalteams seit 28 Jahren bastelt der ÖFB an den letzten Details der Turniervorbereitung. Ein Generalproben-Gegner für das Endrunden-Auftaktmatch gegen Jordanien am 17. Juni (6.00 Uhr MESZ) wird noch gesucht, der Ort des letzten Trainingscamps in Österreich vor der Abreise in die USA ist offen. Doch die wesentlichen Punkte sind geklärt – so etwa das WM-Quartier oder die Rahmenbedingungen des März-Lehrgangs.
Das erste Zusammentreffen von Teamchef Ralf Rangnick und seinen Spielern seit der Fixierung des WM-Tickets im vergangenen November beginnt am 23. März mit einem viertägigen Trainingscamp in Marbella. Getestet wird im Happel-Stadion gegen Ghana (27. März) und Südkorea (31. März), dazwischen trainiert das A-Team erstmals im neuen ÖFB-Campus in Wien-Aspern.
Der Kader für das Test-Doppel wird am 16. März nominiert und kann möglicherweise mit zwei Neulingen aufwarten. Beim in England ausgebildeten Carney Chukwuemeka ist davon auszugehen, dass dieser demnächst für Österreich spielen wird. Der 22-jährige Mittelfeldspieler von Borussia Dortmund wurde in Wien geboren, übersiedelte mit seiner aus Nigeria stammenden Familie aber bereits als Kleinkind nach Großbritannien.
Auch Wanner Thema für ÖFB-Team
Berechtigte Hoffnungen bestehen auch bei Paul Wanner. Der frühere Bayern-München-Jungstar, mittlerweile bei PSV Eindhoven aktiv, hat eine österreichische Mutter und einen deutschen Vater. Rangnick hatte den Offensivmann bereits Ende 2022 als Trainingsgast zur ÖFB-Auswahl eingeladen – mit damals erst 16 Jahren. Wanner hat im Nachwuchs bis zur U21 für den DFB gespielt, nun könnte der 20-Jährige aber Österreichs A-Team den Vorzug geben.
Sollten Chukwuemeka und Wanner in zwei Wochen im österreichischen Aufgebot aufscheinen, wären sie wohl auch Bestandteil des 35- bis 55-köpfigen WM-Großkaders, den der ÖFB der FIFA bis 11. Mai übermitteln muss. In diese Zeit könnte auch die Entscheidung über eine vorzeitige Vertragsverlängerung von Rangnick fallen. Der aktuelle Kontrakt des 67-jährigen Deutschen läuft nach der WM aus, allerdings haben sowohl Rangnick als auch der ÖFB Interesse daran, dass in dieser Frage schon vor der Endrunde Klarheit herrscht.
In die unmittelbare WM-Vorbereitung starten die heimischen Kicker am 27. Mai und damit zwei Tage nach Beginn der offiziellen Abstellfrist. Der Ort des Camps ist noch offen. Fix ist dagegen, dass die heimische Auswahl am 1. Juni wieder im Wiener Prater gegen Tunesien testet. Spätestens an diesem Tag wird Rangnick auch sein endgültiges WM-Aufgebot nominieren.
WM-Kader besteht aus 23 bis 26 Spielern
Wie den Teilnehmerverbänden diese Woche in einer Info-Veranstaltung in Atlanta mitgeteilt wurde, muss der Kader aus 23 bis 26 Spielern – mindestens drei davon Tormänner – bestehen. Im Falle einer Verletzung kann bis 24 Stunden vor dem Spiel gegen Jordanien ein Spieler nachnominiert werden, bei Torhütern ist dies während des gesamten Turniers möglich.
Die ÖFB-WM-Kicker erhalten nach dem Tunesien-Match zwei Tage frei und steigen dann am 4. Juni in den Flieger nach Los Angeles. Von dort geht es weiter ins knapp zwei Autostunden entfernte Goleta, einem Vorort von Santa Barbara, wo die Mannschaft direkt an der Pazifikküste im noblen Ritz-Carlton Bacara residiert. Trainieren wird das Nationalteam rund zehn Fahrminuten entfernt auf dem Campus der University of California Santa Barbara (UCSB). Das finale Testspiel geht am 8., 9. oder 10. Juni wohl im Großraum Los Angeles über die Bühne. Der Sparringpartner dürfte aus Mittel- oder Südamerika, eventuell auch aus Afrika kommen.
Prinzipiell ist vorgesehen, dass der ÖFB-Tross das Quartier in Santa Barbara mit der Anreise nach Kansas City zum letzten WM-Gruppenspiel gegen Algerien (28. Juni, 4.00 Uhr MESZ) verlässt. Allerdings würde man als Gruppenzweiter das Sechzehntelfinale in Los Angeles bestreiten und in diesem Fall wohl für einige Tage ins Ritz-Carlton zurückkehren.
ÖFB-Delegation in Santa Barbara zu Besuch
Eine ÖFB-Delegation unter anderem mit Geschäftsführer Bernhard Neuhold, Co-Trainer Lars Kornetka und Koch Fritz Grampelhuber stattet dem WM-Basecamp in Kalifornien derzeit einen Besuch ab. „Dabei geht es darum, noch diverse Details zu besprechen“, so Neuhold.
Der Niederösterreicher sieht seinen Verband in puncto Turnier-Organisation gut aufgestellt, gab aber auch zu bedenken: „Uns kommt zwar zugute, dass viele im ÖFB schon bei Europameisterschaften Erfahrungen sammeln konnten, trotzdem stehen wir vor einer WM auf einem anderen Kontinent mit teilweise anderen Erfordernissen. Es ist noch einmal eine andere Dimension, weil die geografische Entfernung in Kombination mit der Zeitverschiebung eine große Herausforderung darstellt.“ Die ÖFB-Delegation kann mit Touristenvisa in die USA einreisen, die inneramerikanischen Charterflüge werden von der FIFA organisiert.
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